Zwischen Systemumbruch und Klimawandel – Wo steht Zentralasien heute?
Show notes
Prof. Dr. Jakob Lempp gibt spannende Einblicke in die Veränderung politischer Systeme in zentralasiatischen Ländern wie Kasachstan und erläutert, welche Verbindungen zu einem gesellschaftlichen Wandel am Niederrhein bestehen. Nachdem die Sowjetunion zusammenbrach, waren Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan plötzlich unabhängig. Trotz ähnlicher Ausgangslage haben sich in diesen Ländern verschiedene Transformationspfade ergeben. Heute kommen neue Herausforderungen wie der Klimawandel hinzu, der die Nachfrage auf die zentralen Exportgüter Kohle, Gas und Öl beeinflusst. Die Forschung zum Systemwandel in Zentralasien liefert viele Erkenntnisse über Transformation insgesamt, relevant auch für uns in Deutschland und am Niederrhein.
Zur Person: Dr. Jakob Lempp ist Professor für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Internationaler Beziehungen und forscht seit vielen Jahren zu Parteiensystemen und Entwicklungen zentralasiatischer Länder.
--- English Version ---
Prof. Dr. Jakob Lempp provides fascinating insights into the transformation of political systems in Central Asian countries like Kazakhstan, explaining how this connects to societal change in the Lower Rhine region. Following the collapse of the Soviet Union, Kazakhstan, Kyrgyzstan, Tajikistan, Turkmenistan, and Uzbekistan suddenly found themselves independent. Despite having similar starting conditions, these countries have developed along different paths of transformation. Today, they face new challenges such as climate change, which impacts the demand for their primary export commodities: coal, gas, and oil. Research on systemic change in Central Asia yields valuable insights into transformation processes as a whole—insights that are also highly relevant for us in Germany and the Lower Rhine region.
Profile: Dr. Jakob Lempp is a Professor of Political Science specializing in International Relations. For many years, his research has focused on party systems and the political development of Central Asian countries.
Show transcript
00:00:02: Herzlich willkommen bei HAUTO Hochschule, dem Podcast der Hochschulereinwahl.
00:00:05: In dieser Reihe dreht sich
00:00:06: alles um Veränderung in Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft.
00:00:10: Ich spreche mit Menschen aus der HochSchule die mit ihrer Arbeit Brücken bauen neue Perspektiven beleuchten und konkrete Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit entwickeln.
00:00:19: ich möchte herausfinden wie Veränderungen gelingen kann interdisziplinär praxisnah und mit dem klaren Ziel einen positiven Wandel in Gesellschaft und Umwelt zu gestalten.
00:00:29: Viel Spaß beim Zuhören!
00:00:32: Für das heutige Interview freue ich mich, Jakob Lemp begrüßen zu dürfen.
00:00:36: Herzlich willkommen Jakob.
00:00:38: Hallo schön hier zu sein.
00:00:39: Jakob ist seit Jahrzehnt zwölf Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt internationale Beziehungen an der Hochschulereinwahl.
00:00:47: Er forscht unter anderem zu Themen wie europäischer Integration Europäischen Parteiensystemen und Populismus.
00:00:55: Jakob, seit einigen Jahren forst du zudem zu den Entwicklungen der politischen und gesellschaftlichen Systeme zentral asiatischer Länder.
00:01:04: Zentralsasien hatte in den Jahren.
00:01:12: Kannst du uns hierzu einen kurzen Überblick geben und darauf eingehen, wie die unterschiedlichen zentral asiatischen Länder diese Transformation bewältigt haben?
00:01:20: Ja das war in der Tat ein vollkommener Systembruch auf ganz vielen verschiedenen Ebenen.
00:01:26: Man kam aus der kommunistischen planwirtschaftlich organisierten Sowjetunion Und die Sowjetunion ist zusammengebrochen und plötzlich fanden sich diese fünf zentral-asiatischen Länder irgendwie allein übrig.
00:01:43: Die waren dann plötzlich unabhängig, zum Teil gar nicht so sehr weil sie selbst in die Unabhängigkeit wollten.
00:01:50: Zum Teil einfach, weil die Sowjettunion zusammen gebrochen ist und man dann gucken musste wie man selber einen neuen souveränen Staat aufbaut.
00:02:00: das war natürlich eine radikale Veränderung in ganz vielen Bereichen, politisch ökonomisch neue Regierungen mussten aufgebaut werden und so weiter.
00:02:12: Und jetzt das Interessante für mich ist eigentlich zu beobachten wie unterschiedlich diese fünf
00:02:20: Staaten
00:02:22: mit der Situation umgegangen sind.
00:02:24: Kazakhstan ist dann ein bisschen in einen moderaten Autoritarismus übergegangen, hat es wirtschaftlich eigentlich ganz gut hinbekommen.
00:02:36: Kyrgyzstan hat eher mehr Turbulenzen gehabt und dann aber auch demokratische.
00:02:43: Züge, so ein Stück weit in das politische System eingebaut hat.
00:02:47: In Tajikistan jetzt gab es einen grausamen Bürgerkrieg mit vielen Toten.
00:02:53: Uzbekistan hat eine starke autoritäre Diktatur aufgebaut und in Turkmenistan haben wir die Entwicklung hin zu einem vollkommen abgeschotteten eigentlich fast schon totalitären politischen System gesehen.
00:03:07: Und das ist für mich einfach interessant zu sehen dass von einer Ausgangslage die eigentlich relativ gleich oder ähnlich war in diesen fünf Ländern, sich doch ganz unterschiedliche Transformationsfade, Transitionspfade ergeben haben.
00:03:23: und das zu erforschen.
00:03:26: Das habe ich mir vorgenommen und das mache ich seit einiger
00:03:29: Zeit.".
00:03:30: Genau jetzt bist du ja auch schon ein bisschen darauf eingegangen warum das dein Interesse geweckt hat.
00:03:35: aber was habt denn ursprünglich deine Interesse an diesem Forschungsthema geweckt?
00:03:39: Ja, also neben dem inhaltlichen Interesse.
00:03:41: Wie geht das weiter?
00:03:42: Wenn so ein Staat wie die Sowjetunion zerfällt für die dann Nachfolge Staaten was auch einfach Zufall ich habe.
00:03:50: Ich bin vor einigen Jahren angesprochen worden von einer Universität in Almaty der größten Stadt in Kasachstan Der deutsch-kasachischen Universität und die suchten Einfachunterstützung beim Aufbau von Studiengängen Auch bei einem bei einem Aufbau von dem Studiengang, den ich hier in der Hochschule Rhein-Wal betreue – internationale Beziehungen.
00:04:15: Und ich dachte mir naja, ich war noch nie in Kasachstan und das interessiert mich aus vielen Gründen und da helfe ich gerne mit.
00:04:22: Das ist eigentlich der Beginn gewesen dafür dass ich einfach oft dort war und nach wie vor oft dort bin und so hat sich dann auch des Forschungsthema entwickelt weil dachte mir, wenn ich schon dort immer wieder mal bin, dann kann ich auch dazu wirklich forschen wie sich die politische Situation insbesondere in den Ländern ergeben hat.
00:04:47: Genau jetzt bist du ja auf die Entwicklungen seit den Jahren nineteenhundertneunzig, neunzehnhunderteinundneunzig schon eingegangen und wie sich diese unterschiedlichen Länder eben entwickelt haben?
00:04:58: Was würdest du sagen wo steht Zentralasien heute?
00:05:02: Ja, das ist eine ganz spannende Frage.
00:05:06: Weil Asien oder diese zentral-asiatischen Staaten ja schon aus der Erfahrung kommen so einen radikalen Wandel durchlebt zu haben eben.
00:05:20: Und jetzt stehen diese Länder im Grunde vor vielleicht nicht ganz so einer dramatischen Umweltsituation aber doch von einer neuen Herausforderung dass sie ganz vieles neu überdenken müssen.
00:05:32: Das hat mit dem Klimawandel zu tun, mit der Austrocknung des Aralsees wo im Grunde bislang auch beispielsweise in Uzbekistan das Modell war dass man mit dem Wasser aus dem Aralsee oder das sonst in den Aralsee geflossen wäre, Bewässerung von Baumwollfeldern betreibt.
00:05:52: und mit den Änderungen durch den Klimawandel gibt es an einer oder anderen Stelle schon jetzt diese Möglichkeit nicht.
00:06:00: Und dann heißt Klimawandel natürlich für Zentralasien, insbesondere für Turkmenistan und Kazakhstan auch.
00:06:08: Man muss sich überlegen von dem Modell das bisher eigentlich ganz gut funktioniert hat.
00:06:12: ich verkaufe Öl-und Gas an Europa oder andere Staaten die das abkaufen weg kommt weil im Grunde sind Insbesondere Kasachsan und Turkmenistan, so ein bisschen wie die Staaten am Golf.
00:06:27: Sie erwirtschaften einen Großteil ihres Wohlstands aus dem Export von Energie – von fossiler Energie!
00:06:34: Und fangen seit einiger Zeit ganz massiv an darüber nachzudenken, wie kann man eigentlich das Erfolgsmodell, das es dort schon ökonomisch gegeben hat in eine Zeit nach dem fossilen Zeitalter Retten.
00:06:51: Was kann ich dann verkaufen wenn nicht mehr Öl und Gas?
00:06:54: Und das ist eine riesige Herausforderung wo man auch noch nicht ganz klar absehen kann, wo geht das hin?
00:07:01: Wenn wir einen Blick auf die Gesellschaft werfen was würdest du sagen?
00:07:04: welche Verbindung siehst du zwischen deiner Forschung und gesellschaftlicher Veränderungen?
00:07:09: als übergreifendes Konzept.
00:07:11: Welche Potenziale ergeben sich daraus und vor welche Herausforderungen stelle ich das gegebenenfalls auch?
00:07:17: Es ist Zentral Asien, wie andere postsobietische Länder oder wie andere auch osteuropäische Länder.
00:07:23: Wie ja im Grunde auch das Beispiel der DDR innerhalb Deutschlands.
00:07:29: Das sind alles eigentlich sehr gute case studies, dafür zu erleben wie was es mit einer Gesellschaft macht wenn eigentlich das jahrelang Jahrzehntelang für sehr sicher geglaubte plötzlich zusammenbricht und einfach weg ist.
00:07:44: Und das geht dann nicht nur darum dass eine Verfassung neu geschrieben werden muss oder politische Institutionen anders aufgebaut werden müssen, sondern das macht natürlich auch auf allen gesellschaftlichen Ebenen was in der Ökonomie aber natürlich auch einfach bis hin zum einzelnen Menschen, der sich in einer völlig neuen Welt neu orientieren muss.
00:08:04: Das passiert an anderer Stelle auch, aber für diese Erfahrung wie so ein Systembruch eigentlich auf den Einzelnen wirkt dafür ist Das sind die zentral-asiatischen Staaten auch gute Beispiele und Case Studies, wo man viel lernen kann nicht nur über ZentralAsien sondern über Systemwandel, über Transformation insgesamt.
00:08:23: Jetzt bist du ja auch in den vergangenen Jahren immer wieder im Rahmen deiner Forschung zu Kooperationszwecken nach Zentralasien gereist.
00:08:32: Wie hast Du denn dabei lokale Organisationen und Gemeinschaften in Deine Forschung einbezogen?
00:08:37: Ja, es ist zunächst mal völlig klar.
00:08:39: Ich kann nicht als relativ alter, relativ weißer Mann aus Deutschland nach Zentralasien fahren und denen die Welt erklären.
00:08:47: Das ist nicht die Forschung, die sinnvoll ist aus meiner Sicht.
00:08:51: Natürlich geht das nur in Kooperation mit Leuten vor Ort sind, die auch vor Ort forschen.
00:09:01: Zunächst war mein Ansprechpartner dort unsere Partneruniversität.
00:09:04: Ich habe inzwischen dort ein großes Netzwerk an Hochschulen, an Bildungsinstitutionen nicht nur in Kasachstan auch in Kirgisstan und in Uzbekistan, wo eben sehr viel Austausch stattfindet mit denen.
00:09:18: das was man in Deutschland als NGOs vielleicht kennt als Vereine, als zivilgesellschaftliche Organisationen.
00:09:26: Das alles ist sehr viel schwieriger.
00:09:28: in Zentralasien sind.
00:09:31: Vielleicht ein kleines bisschen mit der Ausnahme Kyrgyzstan alles Diktaturen und Diktaturen die so eine ganz freie Entwicklung von Zivilgeschaft einfach nicht zulassen und deswegen ist es sehr schwer dort wirklich kasachische oder kirgisische oder usbekische NGOs zu finden, die auch wirklich frei sind von staatlicher Kontrolle.
00:09:56: Ich habe das trotzdem immer wieder versucht und ein Stück weit gelingt es auch, wo sehr gut gelingt ist die Kooperation mit den kulturellen Mittlerorganisationen aus Deutschland, dem DAA, den politischen Stiftungen, die alle vor Ort präsent sind, auch mit eigenen Leuten.
00:10:14: Das ist alles gut möglich Und ich habe jetzt einfach den Vorteil, dass wir ja auch viele Studierende aus mehreren zentral-asiatischen Staaten bei uns haben.
00:10:25: Bei denen ich dann Abschlussarbeiten betreue die dann selbst auch so ein bisschen in der Szene, in der zivilgesellschaftlich sich organisierenden Szene in Zentral Asien aktiv zeigen Wo ich dann einfach dadurch einen Zugang manchmal bekomme, den ich ansonsten überhaupt nicht kriegen würde.
00:10:46: Das halte ich für ganz zentral dass man nicht Forschung vom UFO aus macht, sondern dass man hingeht und auch weiß wovon man spricht im Sinne von selbst mit Leuten im Austausch zu sein.
00:11:02: Jetzt bist du ja auch schon ein bisschen auf strukturelle Hürden eingegangen eben in deiner praxisnahen Forschung.
00:11:10: was würdest Du sagen?
00:11:11: Wie kann es denn Deiner Meinung nach gelingen eben genau diese praxisnahen Forschungsergebnisse zu entwickeln, die aber gleichzeitig wissenschaftlich fundiert sind.
00:11:20: Ja man muss wissen das Bildungssystem in zentral asiatischen Ländern ist anders organisiert und auch nach wie vor in vielen Feldern ein bisschen ja einfach auf einem anderen Niveau als wir das vielleicht in westlichen Ländern kennen.
00:11:35: es ist anders.
00:11:37: darauf muss man sich einlassen und deswegen geht's neben dem Praxisan forschen schon auch erstmal darum Bildungsinstitutionen zu stärken, wirklich international anerkannte Forschung auch zu machen.
00:11:52: Also das ist das eine.
00:11:54: Aber klar ist wir sind Fachhochschule, wir als Hochschule Rhein-Wal und das ist ein Modell dass es ja in vielen Staaten außer Deutschlands Manchen gibt es das, aber in vielen gibt's das auch nicht.
00:12:07: Und da ist das Interesse riesig, dass man eben wirklich diese Verbindung von Theorie und Praxis, von Wissenschaften und angewandter Wissenschaft macht.
00:12:18: Da gibt sehr viel Nachfrage.
00:12:20: also deswegen haben die Bildungsinstitutionen, die Hochschulen in zentral asiatischen Ländern häufig den Auftrag nahe an der Praxis zu forschen.
00:12:29: so richtige Hardcore Grundlagenforschung ist dort eher selten.
00:12:33: Von daher ist es was ganz Selbstverständliches und da... Jetzt in meinem fachlichen Bereich heißt praxisnahe, angewandte Forschung gerne dann auch Politikberatung und genau in diesem Transfer unseres Wissens in die politischen Institutionen rein.
00:12:52: Dort gibt es viel Nachfrage und dort arbeiten wir auch eng zusammen mit den Kulturellen Mittlerorganisationen, mit der Friedrich-Ebert-Schiftung, der Konrad-Adenauer-Stiftung anderen Stiftungen so dass das was wir erforschen auch nachgefragt wird.
00:13:08: Auf deutscher Seite ist es auch so, dass Zentral Asien als Region für Deutschland und Europa an Wichtigkeit massiv zugenommen hat.
00:13:16: Insbesondere nach dem Krieg in der Ukraine und dann viele Partnerschaften mit russischen Partnern eben schwächer geworden sind oder ganz aufgehört haben.
00:13:30: und dann haben sich viele Institutionen in Europa gesagt, dann kooperiere ich eben mit zentral asiatischen Institution.
00:13:38: Von daher ist unsere Forschung über die politischen Systeme in Zentralasien auch etwas wo ich merke da gibt es ganz viel Nachfrage in Deutschland.
00:13:47: Jetzt bist du ja gerade auch auf die Verbindung zu Deutschland und Europa eingegangen.
00:13:53: Gibt es denn auch eine Verbindung zwischen deiner Forschung in und über Zentralasien und der Region Niederrhein?
00:14:00: Siehst Du hier eine Verbindungen?
00:14:02: Ja, da gibt es sehr viel Verbindungen.
00:14:05: Häufig redet man von den Russland-Deutschen und so weiter.
00:14:08: aber viele Därer die man vielleicht ein bisschen pauschal unter Russland Deutsche zusammenfasst haben eine Biografie die auch in Zentralasien stattgefunden hat.
00:14:22: Deutschsprachige, sich vielleicht ein Stück weit auch mit Deutschland identifizierende Menschen sind ja in zentral-asiatischen Staaten gewesen.
00:14:30: Haben dort lange gelebt als freiwillig, aber auch einfach unfreiwillig aus der Situation im Zweiten Weltkrieg heraus und danach in das Sowjetunion.
00:14:39: Und sind dann – als das möglich war – mit der Öffnung in den Neunzigerjahren nach Deutschland gekommen?
00:14:47: Erstaunlich viele Menschen leben hier am Niederrhein oder sonst wo in Deutschland die in Kazakhstan geboren worden sind oder vielleicht in Kyrgyzstan geboren wurden.
00:14:56: Das heißt, hier gibt es schon diese biografische Verbindung nach Zentralasien.
00:15:03: Wir haben jetzt natürlich an der Hochschule Rhein-Wal ganz stark Verbindungen weil wir auch einen Doppelabschluss abkommen im Fach internationalen Beziehungen mit einer Partnerhochschule in Kasachstan haben.
00:15:19: Zentralasiatischen Staaten, vor allem Kasachstan in Deutschland an unserer Hochschule.
00:15:25: Also da gibt es ganz viel Verbindung und natürlich das was ich meine mit der dem Zuwachs an Bedeutung für Deutschland, für Europa, was die Gesamtregion Zentral Asien angeht.
00:15:39: Das gilt natürlich auch für die Niederrhein, gerade in militärischer Hinsicht.
00:15:43: Also geostrategische Bedeutung zentral Asiens ist gestiegen.
00:15:47: Wir haben hier am Niederein-Institutionen im sicherheitspolitischen Bereich ... wir haben in Nordrhein-Mesfalen Rüstungsindustrie all das ist was ja schwierig ist und so diskutiert werden kann aber wo es jedenfalls eine Zunahme an Interesse auch am Niederreinen an der Region Zentral Asien gibt.
00:16:10: Jetzt beschäftigst du dich ja im Rahmen deiner Forschung seit vielen Jahren mit Begriffen wie Transformation, Veränderungen und eben auch gesellschaftlichem Wandel.
00:16:19: hat sich denn über die Jahre dein Verständnis von gesellschaftlichen Wandel verändert?
00:16:26: Absolut.
00:16:27: Ich meine, ich bin Politikwissenschaftler.
00:16:28: am Beginn meiner Überlegungen zu diesem Thema stand die aus heutiger Sicht würde ich fast sagen naive Idee gesellt.
00:16:38: oder Transformation heißt man reformiert die Verfassung und man baut das politische System um Man ändert die Verfahren, man ändert Institutionen.
00:16:49: Das ist die formalen politischen Institutiones.
00:16:52: Das ist alles richtig und wichtig auch schön dokumentierbar und passiert im Lauf der Jahre, aber gesellschaftliche Veränderung geht natürlich darüber hinaus.
00:17:03: Und diese politischen verfassungsmäßigen formalen Veränderungsprozesse haben Effekte für den ganz normalen einzelnen Menschen quasi psychologische, aber natürlich auch die ökonomische, die gesellschaftliche Dimension rückt jetzt bei mir so interessensmäßig einfach immer stärker in den Vordergrund neben.
00:17:26: dem was ich immer noch betreibe und wo ich mich eigentlich auch fachlich am meisten zu Hause fühle, einfach den Wandel politischer Systeme selbst in ihrer formalen Institution.
00:17:36: Gibt es deine Veränderungsprozesse die du ganz konkret mit deiner Arbeit anstoßen oder auch unterstützen willst?
00:17:43: Und wenn ja wie gehst du das an?
00:17:45: Tja ich definiere mich vor allem als Wissenschaftler natürlich auch als Wissenschaftlern mit Transfer Überlegungen, aber ich definiere mich nicht als Aktivist.
00:17:57: Und das ist auch schwierig in zentral asiatischen Ländern wo man wenn man dort so ein eher so ein aktivistisches Mindset mitbringt und sagt Ich will forschen will aber eigentlich dort die Gesellschaft verändern.
00:18:11: Das ist schwer.
00:18:12: dass das will ich eigentlich auch nicht.
00:18:14: das glaube ich kann Funktioniert auch nicht, dass ich dorthin gehe und dort die Gesellschaft verändere.
00:18:21: Das ist nicht meine Rolle.
00:18:23: von daher natürlich habe ich ein eigenes Wertesystem und ich persönlich finde Demokratie eine gute Sache und Diktatur eine schlechte Sache.
00:18:31: aber ich glaube das schwierig ist es so direkt diese Veränderungen jetzt in einer anderen Region anstoßen zu wollen.
00:18:42: Gleichzeitig mein letztes größeres Buch war zum Thema die Rolle der Europäischen Union in Zentralasien und die aktuelle EU-Strategie hat im Kunde So ein bisschen so einen Ansatz.
00:18:55: Man will dort unterstützen hin zu mehr rechtsstaatlichen Verfahren, hin zur Mehr verfassungsstaatlichkeit, hin zum mehr Menschenrechte als Teba in Zentralasien.
00:19:06: das sind alles Dinge die ich für sehr wichtig halte.
00:19:08: aber Ich bin Wissenschaftler und nicht Aktivist.
00:19:11: Um einen Blick auf die letzten Jahre, also auch eben deine vergangenen Forschungsjahre zu werfen, würdest du sagen dass es irgendwelche sichtbaren Effekte oder auch unerwarteten Erkenntnisse aus deiner bisherigen Arbeit zu den politischen Systemen Zentralasien gibt.
00:19:27: Also Effekte im Sinne von, ich habe ein Buch geschrieben.
00:19:30: Daraufhin hat sich die Gesellschaft Kasachsdans massiv transformiert.
00:19:34: Soweit würde ich definitiv nicht gehen.
00:19:36: Ich kann meine Rolle da schon richtig einschätzen und sie ist nicht die eines Weltbewegers.
00:19:44: Aber ja auf der... Ich sehe zum Beispiel wir arbeiten viel mit dem Auswärtigen Amt zusammen hier in Deutschland.
00:19:51: Im Auswärtige Amt wird Forschung über Zentralasien seit sag mal vier Jahre insbesondere sehr interessiert entgegengenommen.
00:20:01: Wir sind im engen Austausch mit Akteuren im DRD, im Auswärtigen Amt wo man schon sieht.
00:20:08: Die sind interessiert an auch meiner Forschung oder unserer Forschung über Zentralasien.
00:20:14: von daher Dort habe ich schon Veränderungen gesehen oder zumindest Nachfrage gesehen.
00:20:20: und auf der kleineren Ebene einfach jetzt in dem Bereich Hochschulkoperation.
00:20:25: Da gibt es ganz viel Veränderung, also die Studiengänge dort... die mit denen wir insbesondere kooperieren, die haben sich verändert aus meiner Sicht zum positiven hin verändert.
00:20:36: Die Zusammenarbeit auch auf der Ebene mit zum Beispiel Betreuung studentischer Abschlussarbeiten ist etwas was immer wieder auch wo mir die Studierenden sagen hier gibt es wirklich im kleinen Veränderungen.
00:20:47: ich habe Abschlussarbeiten zb betreut in im Bereich LGBTQ Community in Kasachstan.
00:20:55: Das ist etwas, was legal ist offiziell toleriert wird aber eigentlich kulturell oder auch von politischer Seite her jetzt nicht besonders gepusht wird und da zu sehen wie sich einzelne Studierende engagieren und dann auch auf ihrer Ebene was zu bewirken und einen kleinen Beitrag so zu leisten sei es durch eine Abschlussarbeiten Betreuung oder Unterstützung Beratungen in solcher auf dieser Ebene.
00:21:21: Ja, das sehe ich und das sind auch die Punkte wo ich dann manchmal denke, lohnt sich.
00:21:28: Es lohnt es sich daran zu bleiben!
00:21:30: Da wir schon zum Ende unseres Interviews kommen möchte ich jetzt doch mal mit einer letzten Frage abschließen und einen Blick in die Zukunft werfen.
00:21:37: was würdest du sagen?
00:21:38: Wo siehst Du das größte Veränderungspotenzial oder auch die größte Herausforderung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten für Zentralasien?
00:21:46: Für Zentral Asien insgesamt glaube ich, ist die größte Herausforderung zur Zeit der Klimawandel.
00:21:53: Und zwar nicht nur weil es trockener wird an vielen Gegenden sondern eben auch, weil Klimawandl bedeutet... Es hat sich die Welt auf den Weg gemacht in eine Welt in der weniger Kohle und Gas und Öl verbrannt wird.
00:22:10: Und das sind einfach nach wie vor in Kazakhstan, in Turkmenistan die zentralen Exportgüter.
00:22:17: Kasachstan und Turkmenistan müssen sich vollkommen neu erfinden was ihre ihr ökonomisches Modell angeht und das ist nicht einfach!
00:22:26: Das geht.
00:22:26: es gibt auch erste Überlegung dazu große Windparks in Kasachstein.
00:22:30: man hat dort viel Land dass wenig besiedelt ist.
00:22:34: Man hat dort viele Wind man hat viel Sonne mehr auch Wasser, wo man dann potenziell vielleicht irgendwann die Möglichkeit hat grünen Wasserstoff herzustellen und den irgendwie das ist alles technisch kompliziert aber vielleicht nach Europa zu exportieren.
00:22:49: Daran wird geforscht, daran forschen wir in Zusammenarbeit mit unserer Partnerhochschule in Kasachstan.
00:22:55: Aber das ist natürlich eine riesige Herausforderung der sich manche zentral asiatische Regierungen durchaus bewusst sind.
00:23:06: Da ist der Ausgang nach wie vor offen.
00:23:08: Vielen Dank, Jakob für deine abschließenden Worte und die spannenden Einblicke des Forschungsfeld-Zentralasien!
00:23:14: Ich bin ganz gespannt, wie sich deine Forschung in den kommenden Jahren weiterentwickelt und welche weiteren Themen und Themenfelder sich aufzeigen.
00:23:21: Danke für den heutigen Austausch – alles Gute für dich!
00:23:24: Ja danke!
00:23:25: Spannendes Gespräch!
00:23:27: Das war eine Folge von How to Hochschule, dem Podcast der Hochschulereinwahl in unserer Reihe rund um Veränderungen.
00:23:34: Ich hoffe, ihr konntet neue Perspektiven entdecken und Impulse für einen positiven Wandel mitnehmen.
00:23:39: Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert gerne den Podcast und teilt ihn mit anderen!
00:23:44: Vielen Dank fürs Zuhören.
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